Der Wechsel zu Naturstreu passiert oft aus einem von zwei Gründen: Man möchte etwas Umweltfreundlicheres, oder man hat gehört, dass Naturstreu weniger riecht. Manchmal beides zusammen. Und dann steht man vor dem Klo und fragt sich, ob sich wirklich etwas verändert hat – oder ob man sich das nur einbildet.
Die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an. Nicht auf die Marke, nicht auf den Preis – sondern auf den Streutyp, die eigene Katze und was man unter „weniger riechen“ versteht.
Holzstreu – was sie kann und was nicht
Holzpellets oder Holzfaserstreu sind die verbreitetste Naturstreuvariante. Holz hat von Natur aus geruchsabsorbierende Eigenschaften – das ist kein Marketing, sondern Chemie. Bestimmte Holzinhaltsstoffe, vor allem in Nadelhölzern wie Kiefer oder Fichte, binden Geruchsmoleküle und geben gleichzeitig einen leichten Eigengeruch ab, den viele Menschen als angenehm und frisch empfinden.
Das ist der Punkt, an dem die Erfahrungen auseinandergehen. Wer diesen natürlichen Holzgeruch mag, empfindet Holzstreu tatsächlich als weniger unangenehm als klassische Mineralstreu. Wer den Holzgeruch selbst als störend wahrnimmt – und manche tun das – hat keinen Vorteil.
Holzpellets funktionieren anders als Klumpstreu: Sie saugen Urin auf und zerfallen dabei zu Sägemehl. Der Urin ist dann in den Fasern gebunden, aber er ist noch da. Das Sägemehl sammelt sich unten im Klo, während die trockenen Pellets oben bleiben. Wer nicht regelmäßig das Sägemehl am Boden entfernt, riecht es bald – die Oberfläche wirkt sauber, der Geruch kommt von unten.
Bei Holzklumpstreu – also Holzfaserstreu, die tatsächlich Klumpen bildet – ist die Handhabung ähnlich wie bei Bentonit. Sie klumpt nicht ganz so fest, aber gut genug für tägliches Ausmisten.
Maisstreu – anders als erwartet
Maisbasisstreu hat in den letzten Jahren Anhänger gefunden, weil sie ähnlich wie Bentonit klumpt, aber biologisch abbaubar und leichter ist. Geruchstechnisch wird sie oft gelobt – die Klumpen sind fest, der Urin gut eingeschlossen.
Was in Berichten immer wieder auftaucht, ist das Feuchtigkeitsproblem. Mais ist ein organisches Material, das unter feuchten Bedingungen schimmeln kann. In Wohnungen mit hoher Luftfeuchtigkeit oder wenn die Streu sehr lange nicht komplett gewechselt wird, kann sich Schimmel bilden – meist unsichtbar unter der Oberfläche. Das ist kein Grund, Maisstreu grundsätzlich zu meiden, aber ein Grund, auf regelmäßigen Komplettwechsel zu achten und auf ungewöhnliche Gerüche zu achten, die nicht nach Urin riechen.
Der Eigengeruch als Faktor
Naturstreuarten haben immer einen Eigengeruch – mal dezenter, mal deutlicher. Manche Menschen empfinden diesen als angenehm und assoziierten ihn mit Sauberkeit, was das Klo insgesamt frischer wirken lässt. Andere stört er.
Was dabei wichtig zu verstehen ist: Eine Streu, die angenehm riecht, neutralisiert den Uringeruch nicht besser. Sie überdeckt ihn anfangs etwas – und das kann ausreichen, um den Gesamteindruck zu verbessern. Wenn die Streu aber belastet ist, setzt sich der Uringeruch durch, unabhängig davon, wie die Streu anfangs riecht.
Im Vergleich zur Bentonitklumpstreu
Wer von hochwertiger Bentonitklumpstreu zu Naturstreu wechselt, wird in puncto Geruchsrückhalt oft keinen Vorteil feststellen. Bentonit ist in der reinen Geruchseinschlussfunktion kaum zu übertreffen, wenn die Streu gut ist und konsequent ausgemistet wird.
Naturstreu kann eine gleichwertige oder sogar bessere Wahl sein, wenn der natürliche Eigengeruch als angenehmer empfunden wird, wenn Staubentwicklung ein Thema ist – Naturstreu staubt oft deutlich weniger –, oder wenn ökologische Aspekte eine Rolle spielen.
Für den direkten Vergleich mit anderen Streutypen auch in puncto Geruchsleistung lohnt ein Blick in den Artikel Welches Katzenstreu stinkt nicht – oder zumindest am wenigsten? Wer speziell Klumpstreu und Silikatstreu vergleichen möchte, findet das im Artikel Klumpstreu vs. Silikatstreu.
Fazit aus der Praxis
Naturstreu riecht anders – nicht zwingend weniger. Ob das für einen selbst besser ist, hängt von der eigenen Nase, der Katze und dem Umgang mit der Streu ab. Wer Holz- oder Maisstreu ausprobieren möchte, sollte ihr ein paar Wochen geben und nicht nach den ersten Tagen urteilen. Die ersten Tage sind fast immer gut – entscheidend ist, wie sie sich nach einer Woche schlägt.
